lia-marrigan

Cold As Ice
 
 

09.11.2011

Insgesamt war heute nicht so ein toller Tag. Ich fühle mich schlecht, weil mein gesamter Plan durcheinander geworfen worden ist.

Gewicht heute Morgen: 40,3

Essen:

Morgens: Ein Toast-Brötchen (113) mit Aufstrich (27)

Mittags: Pizza (204), rote Paprika (19)

Abends: Eine Reiswaffel (30), ein Müller Milchreis Zimt (170)

Gesamt: 563 Kalorien

Sport: Eine Stunde Crosstrainer, 238 Kalorien verbrannt

Fazit: Okay, aber ich hasse es, wenn mein Plan zerstört wird. Und ich fühle mich unzufrieden und hab ... Angst. Morgen muss es ein bisschen anders aussehen.

Ich hoffe, dass mein Freund später nicht mehr wütend / geschockt ist, weil ich beim Mittagessen geweint habe. Ich hoffe, es verzeiht mir die Show.

4 Kommentare 9.11.11 19:43, kommentieren

ED-Diary

Ich denke, es ist gut für mich, neben der Hauptseite mit Informationen über die Essstörung auch eine Art ED (Eating Disorder) Tagebuch anzulegen. Hier werde ich über mich schreiben, wie ich die Essstörung jeden Tag erlebe, was es für mich bedeutet, welche Kämpfe ich ausfechte und welche Gefühle ich durch diese Krankheit habe.

Heute zum Beispiel (09.11.2011) war es schrecklich. Normalerweise esse ich immer erst nach Schulschluss. Heute wäre das 18 Uhr gewesen. Nix da! Fiel doch glatt das meiste vom Unterricht aus. Und bei meinem Freund, der mich nicht so richtig versteht, gab es dann sowohl Frühstück als auch Mittagessen. Mir geht es nicht gut. Heute Morgen hatte ich 40,2. Das ist ja okay, aber ich hatte den Tag schon durchgeplant. Ich könnte heulen, aber das wird nichts bringen. Nachher mache ich eben noch Sport und versuche, dann höchstens noch was Kleines zu essen. Bin übers Wochenende weg mit einer Arbeitsgruppe und hab furchtbare Angst. Um nicht direkt aufzufallen, werde ich wohl essen müssen. Ich möchte vor all den Fremden ja nicht gleich am ersten Tag so dumm da stehen, auch wenn ich denke, dass sie es eh vermuten werden. Mal ehrlich, ich weiß, dass ich dünn aussehe. Zwar fühlt es sich nicht so an, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass andere es schon so sehen. Hm, na ja, ich hab keinen Einfluss darauf, was mich erwartet. Augen zu und durch!

1 Kommentar 9.11.11 16:29, kommentieren

Butter bei die Fische...

Mein Wochenende war schön. Leider hatte ich keine Möglichkeit, mich hier zu melden. Bei meinem Freund wird ein neuer Internetanschluss eingerichtet. Das ist zwar blöd, aber heute bin ich daheim und kann mich wieder melden. Mir geht es gut, die Erkältung ist ganz abgeklungen und die Schule ist noch nicht wieder stressig geworden. Heute gab es Burger und Pommes. Ich hab mich irgendwie darüber gefreut. Am Wochenende hatte ich Probleme mit dem Essen, aber heute ging es wie von selbst. Das freut mich immer sehr, es vermeidet auch Streit...

 Na ja, jetzt komme ich mal zu Anzeichen einer Essstörung. Erster Ausdruck ist meiner Meinung nach das ständige Lügen und Herausreden. Man hätte schon gegessen in der Stadt oder bei Freunden oder in der Schule. Wenn das mal vorkommt, ist es okay, das muss nicht zwingend eine Lüge sein, aber wenn auffällt, dass sich sowas häuft, sollte man es unter Beobachtung behalten.

Man sollte sich dabei nicht von eventuellen Detail einlullen lassen. "Ich war noch bei XY, ihre Mutter hatte Schnitzel mit Pellkartoffeln und Karottengemüse gemacht. Ich hab mich einfach mal eingeladen." Kann sehr überzeugend klingen, aber oft betet man nur, dass der Magen nicht in genau dem Moment knurrt. Also, Ausreden sind ein Anzeichen. Häufiges Essen außerhalb, besonders gerne war es dazu etwas sehr Ungesundes, wie Döner mit Pommes oder Pizza. Sollte man als verdächtig betrachten.

Dann Lügen wie "Ich hab Bauchweh", oder dass einem übel wäre, man keinen Apetit hätte oder so... Hab ich am Anfang ganz oft benutzt. Darauf würde ich auf jeden Fall mal achten. Im Anfangsstadium ist man aber noch bereit dazu, vieles zu essen. Ich denke, wenn man in dieser Entwicklungsphase eingreift, kann man noch vieles verhindert. Zu Beginn essen Betroffene häufig erstmal einfach nur weniger, aber im Prinzip noch alles. Irgendwann wird die Liste von sicheren Lebensmitteln immer und immer kürzer. Deshalb ist Früherkennung so schwer machbar.

Bei mir war am Anfang der ES auch der Drang darüber zu reden sehr groß. Meine (noch verständlichen und vielleicht sogar nötigen) Abnehmerfolge wollte ich mitteilen. Ich habe sehr oft über Kalorien geredet, über Zucker, Kohlenhydrate... Ich war sehr mitteilungsbedürftig. Also: Gespräche über Diäten, Kleidergrößen, Ernährung... das können alles Hinweise sein.

Und von Anfang an kaue ich ständig Kaugummi. Es ist süß, vermindert also die Lust auf Süßes, hält vom Essen ab, gibt ein frisches Mund-Gefühl und ist abführend. Kann auch ein Anzeichen sein. Ich werde mal in mich gehen und über weitere Früh-Anzeichen nachdenken. Aber erst mal über die Frage, ob ich heute noch was essen sollte... Ich denke schon. Mal schauen, was ich so finde. Ich hoffe, ich bin ein bisschen informativ und hilfreich.

Schönen Abend an euch alle. Liebe Grüße, Lia.

1 Kommentar 8.11.11 17:30, kommentieren

Sonn-Tag

Guten Morgen. Das hört man so oft... aber heute sieht es wirklich nach einem guten Morgen aus. Zumindest sonnig, wenn auch bestimmt nicht sonderlich warm. Ich bin seit halb neun wach, traue mich aber nicht nach unten und stelle mich schlafend. Ja, ich bin nicht mal auf die Toilette gegangen, obwohl meine Blase gleich platzt. Aber es ist Sonntag und wenn es einen Tag gibt, an dem meine Familie so tut, als würde sie funktionieren, dann ist es der Sonntag. Das heißt Frühstück, alle zusammen. Für alle Nicht-Betroffenen ist die Vorstellung seltsam, ein schönes gemeinsames Frühstück... Aber mir macht das Angst, die Beobachtung von allen anderen, der Zwang. Ich möchte nur meinem eigenen Plan folgen und in dem steht für heute kein Frühstück.

 

Gut geschlafen habich leider nicht. Ich bin drei mal wach geworden und ich hatte Wadenkrämpfe. Außerdem konnte ich nicht richtig Luft holen, - keine Sorge, das liegt an der Erkältung. Die ist noch immer nicht besser geworden. Vielleicht hätte ich mich gestern nicht zum Sport zwingen sollen. Na ja, dumm gelaufen. Heute nehme ich mir lieber vor, wenn überhaupt einen Spaziergang in dem herrlichen Sonnenschein da draußen zu unternehmen, mehr nicht.

 

Was mich wundert ist, dass es weder nach Kaffee noch nach Aufbackbrötchen riecht. Ich hoffe, die da unten warten nicht auf mich. Dann bekäme ich eine Krise. Kleiner Tipp an Eltern, die sich vielleicht in der gleichen Situation sehen: Nichts erzwingen. Okay, zu pauschal. In Fällen wie meinem, und das heißt, in Fällen, in denen der Betroffene noch IRGENDETWAS auch freiwillig isst. Ich zum Beispiel möchte nicht noch einmal so weit unten landen wie damals. Ich esse. Ich habe Pläne, die leider nicht ernstgenommen werden. Und das führt oft dann doch zur kompletten Verweigerung der Nahrungsaufnahme und zu sehr hässlichen Streits. Mein Tipp ist also wirklich, darüber hinweg zu sehen, dass jemand nicht mit isst, die Person KANN oft einfach nicht. Auf das Thema werde ich noch näher eingehen. Jetzt sollte ich erst mal selbst die Lage hier checken. Vielleicht mal in den Flur schleichen, so leise das mit knarrenden Holzböden geht und die Lauscherchen aufmachen. Vielleicht räumen sie ja doch schon ab oder liegen schon beim Fernsehen auf der Couch. Na ja, ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag, erholsam und ruhig und mir einen möglichst streitfreien. Mal sehen, ob das klappt. Ich denke, ich werde mich später noch mal melden.

1 Kommentar 6.11.11 10:57, kommentieren

In der Falle.

Hallo, guten Abend. Das ist mein erster Blog und mein erster Post. Ich denke nicht, dass ich sonderlich begabt bin in solchen Dingen, aber es ist mir wichtig. Ich möchte mit diesem Blog ein wenig Aufklärungsarbeit leisten im Bereich von Essstörungen. Viele von uns leiden darunter, oft sieht man Parodien auf dieses traurige und ernste Thema. Aber genauso oft bleiben Essstörungen unerkannt. Die Betroffenen suchen vielleicht Hilfe und trauen sich nicht, jemanden um einen Rat zu bitten oder zum Arzt zu gehen. Vielleicht kann ich in der nächsten Zeit, als Betroffene, helfen, frühe Anzeichen zu erkennen und auch Tipps zum richtigen Umgang zu geben. Das ist nicht leicht, ich kenne es ja von mir selbst. Man kann schnell in Streitereien geraten, sich gar anfeinden. Das ist kann unschön werden, anstrengend, nervenaufreibend. Essstörungen sind eine Falle, in die man leicht gerät, da verlockende Versprechungen davon ausgehen. Ein schöner, schlanker Körper, Bewunderung, Stärke, eine tolle Ausstrahlung, Selbstbewusstsein, Zufriedenheit. Hab ich bisher alles noch nicht erreicht, wohl aber ein Tiefstgewicht von 34 Kilo (Körpergröße: 1.56m). Mittlerweile bin ich bei etwa 40 Kilo, relativ stabil und es geht mir wesentlich besser. Wie gesagt, ich werde die nächsten Tage anfangen, mehr zu posten zu diesem schrecklichen Thema. Liebe Grüße und gute Nacht.

1 Kommentar 5.11.11 22:55, kommentieren